Die Besteuerung der BOI-Gesellschaft

Die steuerlichen Vorteile einer BOI Förderung in Thailand

Das thailändische Board of Investment (“BOI”) gewährt für speziell definierte ausländische Investitionen in Thailand eine besondere Form der Investitionsförderung. Neben anderen Vorteilen sieht die BOI Förderung häufig vor dass

  • das geförderte Unternehmen, regelmäßig eine thailändische Company Limited, mit einem 100% ausländischen Gesellschafterkreis in Thailand tätig werden darf und
  • eine Steuerbefreiung (“tax holidays”) erhält, beispielsweise für einen Zeitraum von acht Jahren

Der gewährte Steuervorteil umfasst die drei Bereiche

  • Körperschaftsteuerbefreiung auf den Unternehmensgewinn
  • Verzicht auf Quellensteuer bei der Dividendenausschüttung (Withholding Tax, vergleichbar einer Kapitalertragsteuer) und
  • thailändische Einkommensteuerbefreiung für den Gesellschafter.

 

Die nachhaltige grenzüberschreitende Bewahrung der Steuervorteile

Vor diesem Hintergrund sollte der Investor sorgfältig prüfen und entscheiden, wie der Gesellschafterkreis zu strukturieren ist. Die Co., Ltd. benötigt mindestens drei Gesellschafter, wobei einer der Gesellschafter fast alle Anteile (beispielsweise 99%) halten kann. Aufgrund der BOI Förderung können alle Gesellschafter ausländische oder thailändische natürliche oder juristische Personen sein. Zur Auswahl steht demnach Gesellschafter

  • aus dem Heimatland, beispielsweise Deutschland
  • aus Thailand, wenn dies den Anforderungen an eine ausländische Investition in Thailand nicht widerspricht, oder
  • aus einem Drittland, beispielsweise einem Offshorestandort.

Die gewährte BOI Steuerbefreiung gilt selbstverständlich nur für thailändische, nicht automatisch auch für beispielsweise deutsche Steuern. In steuerlicher Hinsicht geht es also um

  • die Besteuerung der Gewinnausschüttungen, soweit diese während der Zeit der Steuerprivilegierung nicht steuerfrei an einen thailändischen Gesellschafter fließen,
  • die Besteuerung der Unternehmensgewinne nach Ablauf des Förderzeitraums und
  • die Besteuerung eines Veräußerungsvorgangs während oder nach dem Zeitraum der Steuerbefreiung. Zudem stellt sich die Frage
  • ob auch nicht ausgeschüttete steuerfreie thailändische Gewinne zu steuerlichen Konsequenzen beim Gesellschafter führen können.

Es ist ein verständlicher Wunsch des Investors, dass die in Thailand eingesparten Steuern nicht sofort oder später in seinem Heimatland nachversteuert werden müssen. Dies gilt insbesondere vor dem Hintergrund, dass die Doppelbesteuerungsabkommen (beispielsweise Art. 10 Abs. 1 DBA Deutschland Thailand) das unbeschränkte Besteuerungsrecht für die Dividenden dem Gesellschafterstaat geben. Die zehnjährige Verjährungsfrist für Steuerstraftaten spricht hierbei gegen kurzfristige Lösungen.

 

Die steuerfreie Auslandsdividende – und Ihre Grenzen

Es gibt den international gültigen Grundsatz, dass Auslandsdividenden innerhalb des Konzerns nicht zu versteuern sind. Hierzu gibt es national unterschiedliche Voraussetzungen und die Steuerfreiheit gilt in Deutschland beispielsweise nur zu 95% (§ 8b Abs. 1, 5 KStG). Dieser Grundsatz wird häufig als Problemlösung verstanden. Das Mutterhaus kann demnach die Anteile fast vollständig halten und hat keine negativen steuerlichen Konsequenzen zu befürchten.

Der Grundsatz der steuerfreien Auslandsdividende steht jedoch in vielen Ländern unter dem Vorbehalt, dass er nur gilt, wenn am Gesellschaftssitz (Thailand) irgend eine Besteuerung erfolgt ist. Diese Einschränkung findet sich im deutschen Steuerrecht im § 10 Ans. 2 Satz 3 Aussensteuergesetz.  Die Doppelbesteuerung soll vermieden werden, nicht jedoch die Einmalbesteuerung.

Dies legt den Schluss nahe, dass der deutsche Gesellschafter eines BOI geförderten Unternehmens seine in Thailand zunächst mühsam erstrittene Steuerbefreiung in Deutschland gleich wieder verliert. Wenn auf eine Dividendenausschüttung verzichtet wird, stellt sich die zusätzliche Frage, ob eine Hinzurechnungsbesteuerung nach den Vorschriften des Aussensteuergesetzes erfolgt, da eine Steuerbefreiung der Unternehmensgewinne zu einer Niedrigbesteuerung im Sinne der deutschen Gesetzesregelung führt. Hierbei ist auf den deutschsteuerlichen Grundsatz abzustellen, dass “niedrig” im Einzelfall vorliegen kann, auch wenn der allgemeine Körperschaftsteuersatz wie in Thailand bei 20% liegt.

 

Die steuereffiziente Strukturierung des Gesellschafterkreises

Die pragmatische Lösung des deutschen Steuerpflichtigen war wohl in der Vergangenheit häufig der Grundsatz “was das Finanzamt nicht weiss, macht es nicht heiss.” Dass die thailändische Beteiligungsgesellschaft sich zeitlich begrenzt eines Null-Steuersatzes erfreut, wurde nicht an die große Glocke gehängt. Aus heutiger Sicht ist diese Praktikerlösung unter Inkaufnahme von strafrechtlichen Konsequenzen nicht mehr zu empfehlen.

Eine andere Lösung ist es, die Anwendbarkeit des Aussensteuergesetzes abzulehnen, da das thailändische Unternehmen nicht als “controlled foreign company” CFC anzusehen ist. Dies erfordert eine komplexe Durchsicht der Ausnahmen, Ausnahmen von den Ausnahmen und hiervon wiederum Ausnahmen.

Nichts ist für die Ewigkeit. Eine Thailandinvestition sollte stets unter dem Gesichtspunkt errichtet werden, wie sie steuereffizient wieder beendet werden kann. Sollen die Veräußerungsgewinne dann wieder zurück in die EU fließen und nach den zukünftig geltenden Steuerregeln versteuert werden? Oder ist es auch unter diesem Gesichtspunkt der sichere Weg, von Anfang an die Strukturierung mit einer Offshoregesellschaft zu wählen?

 

Die Kanzlei berät bei der steuerlichen Strukturierung des BOI-Projekts einschließlich der Gründung von Offshore-Gesellschaften

Nach Prüfung verschiedener änderungsbedürftiger Gesellschaftsstrukturen und anschließend erfolgter Umstrukturierung sind die wesentlichen Gesichtspunkte gemäß den Erfahrungen der Kanzlei

  • die Wahl des sichersten Weges, um eine lästige spätere Auseinandersetzung mit der deutschen Finanzverwaltung zu vermeiden
  • die Ungewissheit einer Verschärfung der deutschen Rechtsprechung und Gesetzgebung mit dem Ziel, weisse Einkünfte (unversteuerte Erträge) auch gegen bestehende Steuerabkommen (Stichwort Treaty Override) auszuschließen und
  • der Unternehmerwunsch, sich früher oder später aus dem engmaschigen regulatorischen Umfeld der deutschen Steuergesetzgebung ganz zu befreien.

Eine verbindliche Auskunft der deutschen Finanzverwaltung ist regelmäßig zu sperrig und langsam. Letztlich spricht vieles für eine maximale Trennung der steuerfreien Thailandinvestition vom deutschen Mutterhaus.

Deutscher Steuerberater in Thailand – PUGNATORIUS Ltd. in Bangkok

PUGNATORIUS Ltd. ist die deutsche Wirtschafts- und Steuerkanzlei mit Sitz in Bangkok für Rechtsberatung und Steuerberatung nach deutschem Standard. Der Tätigkeitsbereich und das steuerliche Beratungs- und Unterstützungsangebot ergeben sich aus “Internationale Steuerberatung in Thailand“. Die Unkenntnis der Steuergesetze befreit nicht von der Pflicht zum Steuernzahlen. Die Kenntnis aber häufig.

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