Der internationale Erbfall in Thailand

Vermögensplanung, Nachfolgeplanung, Steuerplanung

Deutsche in Thailand: In Thailand leben viele sehr vermögende Ausländer, darunter ca. 40.000 bis 60.000 Deutsche. Wohlhabende Ausländer in Thailand werden (von der Steuer und) vom Tod häufig unvorbereitet überrascht. Die Verdrängung der absehbaren Probleme wird im Regelfall teuer erkauft. Die Denkweise „damit sollen sich meine Erben herumärgern“ ist aus offensichtlichen Gründen nur eine Scheinlösung. Vermögen verpflichtet – zumindest dazu, selber die Verantwortung hierfür zu tragen.

Im Heimatland gibt es bei größeren Vermögen häufig eine dynastische Denkweise. Das Gründervermögen soll über viele Generationen in der Familie bleiben. Die Erben müssen sich durch eigene berufliche und menschliche Qualifikation als erbwürdig erweisen und das Familienunternehmen oder -vermögen langfristig verwalten und mehren können.

In Thailand wird bei der Vermögensplanung häufig nicht über die erste Nachfolgegeneration hinaus gedacht. Das gilt auch für den Expat. Seine Prioritäten mögen sich darin erschöpfen, wer das Vermögen gerade nicht erhalten soll. Dies sind neben unerwünschten Einzelpersonen insbesondere das Finanzamt. Die kombinierte Erbfolge- und Steuerplanung ist eine schwierige aber lohnende Aufgabenstellung. Man kann hierauf jedoch mit gutem Gewissen verzichten – wenn man über keinerlei nennenswertes Vermögen verfügt.

Das Vermögen des Ausländers in Thailand

Vier Vermögen: Der wohlhabende Ausländer verfügt regelmäßig über drei oder vier verschiedene Vermögensmassen. Dies sind erstens das (Alt-)Vermögen im Heimatland, zweitens geht es um Vermögenswerte, die nach Offshore verlagert wurden, z.B. in Form eines Bankkontos in Hongkong oder Wertpapieren in Delaware. drittens das thailändische Vermögen – typischerweise Immobilien und Minderheitsbeteiligungen an thailändischen Gesellschaften, und gegebenenfalls viertens das Familienvermögen, das ihm zusammen mit der thailändischen Ehefrau gehört.

Rechtliche Anknüpfungspunkte für das international anwendbare Recht der Versteuerung sowie der Vererbung sind der letzte Wohnsitz, die Nationalität des Betroffenen und der Lageort des Vermögens. Das Steuer- und Erbrecht unterscheidet zudem häufig die Kategorien bewegliches und unbewegliches Vermögen. Das Erbrecht der einzelnen Länder sind jedenfalls außerhalb der EU nicht aufeinander abgestimmt, weder bezüglich der Anwendbarkeit, noch inhaltlich.

Abweichungen vom heimischen Erbrecht: Für das thailändische Erbrecht gelten – stark vereinfacht dargestellt – zwei wichtige Abweichungen gegenüber der Lage in Deutschland, Österreich und der Schweiz: Zum einen ist in der thailändischen gesetzlichen Erbfolge das Vermögen zwischen Ehepartner und Kindern aufgeteilt, wobei der Ehegattenanteil so groß ist wie der Anteil eines (einzigen) Kindes. Der Ehepartner erhält hierbei maximal 50%. Zum anderen ist der Pflichtteilsanspruch im schweizerischen Recht ein echtes Noterbrecht, in Deutschland (§ 2303 BGB) und in Österreich (§§ 762 ff. AGBG) jedoch nur ein schuldrechtlicher Anspruch, d.h. auf Zahlung von Geld gerichtet. Thailand hat dagegen überhaupt kein Pflichtteilsrecht.

Die Regelung der Vermögensnachfolge

Testamentserrichtung: Um eine langjährige Auseinandersetzung zwischen den verschiedenen nationalen Erbrechten mit völlig ungewissem Ausgang zu vermeiden, gibt es allerdings ein ganz einfaches Patentrezept: Der Erblasser muss – selbstverständlich noch zu Lebzeiten – eine letztwillige Verfügung treffen, die im Einzelnen regelt, wer was, wann und mit welchen Auflagen erhalten soll.

Ein internationales Testament kann sowohl dem Regelungen des Heimatlands als auch thailändischen Formvorschriften entsprechen. Das Haager Testamentsübereinkommen macht dies möglich. Aus der anerkannten Form auf einen anzuerkennenden Inhalt zu schließen, ist jedoch voreilig. Die „internationale Erbfolgeregelung“ ist ein komplexes Projekt, das man nicht nebenbei erledigen sondern sorgfältig vorbereiten sollte. Schließlich geht es um nicht weniger als alle Vermögenswerte, über die der Erblasser verfügen kann.

Das Bangkoker Testament (mutual will oder auch joint will Bangkok style) ist das Pendant zum Berliner Testament nach deutschem Erbrecht. Hierunter versteht man ein gemeinschaftliches Testament von Ehepartnern, in dem diese sich gegenseitig zu Alleinerben einsetzen und bestimmen, dass mit dem Tod des zuletzt Verstorbenen der Nachlass an einen Dritten fallen soll. Während das deutsche Gesetz das gemeinschaftliche Testament ausdrücklich für zulässig erklärt, fehlt eine entsprechende Regelung im thailändischen Recht.

Testamentsschwindel ist in Thailand weit verbreitet. Dem Ausländer werden Falschinformationen zu Rechtslage, Verfahrensweisen und Handlungsmöglichkeiten vorgespiegelt, um ihn in ein zunächst billiges aber nachteiliges Testament hineinzutricksen.  

Versteuerung: Der Tod des reichen Deutschen in Thailand ist auch das Startsignal für ein Tätigwerden der Finanzbehörden. Jetzt zeigt sich, ob das Vermögen steueroptimal strukturiert war. Erfolgt jetzt der Erbschaftsteuerzugriff aus der alten Heimat? Eine auf den Erbfall ausgerichtete Steuerplanung kann viele Millionen wert sein. Dies betrifft die Strukturierung des Landes, in dem die Steuern anfallen sollen, die Vermeidung oder Minimierung der Steuerlast, und die steuerliche Pflichten der Erben.

Erbrechtsberatung für thailändisch/ausländische Familien, Vermögenswerte und Testamente

PUGNATORIUS Ltd. ist die deutsche Wirtschafts- und Steuerkanzlei mit Sitz in Bangkok für Rechtsberatung und Steuerberatung nach deutschem Standard. Unterstützt von einem motivierten und erfahrenen thailändischen Anwaltsteam.

Erbrechtstrilogie: Das deutschsprachige Standardwerk zum thailändischen Erbrecht ist der von der Kanzlei veröffentlichte dreiteilige Beitrag “Der internationale Erbfall in Thailand”. Teil 1 erörtert Unterschiede zwischen nationalen Erbrechten, Erbstatut, Gesellschaftsstatut, Nachlassspaltung und der Wettlauf der Rechtsordnungen, Elemente des thailändischen Nachlasses, Teil 2 befasst sich mit der gesetzliche Erbfolge in Thailand – Ordnungen, Stämme, Quoten und Besonderheiten des Ehegattenerbrechts, gewillkürte Vermögensnachfolge, das thailändische Testament, Teil 3 erläutert die Situation nach dem Erbfall, Testamentseröffnung, Nachlassverwaltung und Erbauseinandersetzung. Einfluss der thailändischen Ausländergesetzgebung auf die Erbfolge.

Erbrechtsberatung: Die Kanzlei berät und unterstützt vermögende Einzelpersonen und internationale Familien bei der Absicherung von Vermögenspositionen unter thailändischem und ausländischem Erbrecht, bei der grenzüberschreitenden steueroptimalen Strukturierung von Familienvermögen sowie bei der langfristigen Erb- und Nachfolgeplanung. Die wunschgemäße Zuwendung der Vermögenswerte ist somit nicht das Ende sondern erst der Anfang vom Ende. Die Bewährungsprobe zeigt sich erst nach dem Tod. Die Erben sind dann allein, aber sie sollten nicht schutzlos zurück gelassen werden.

Standardtestamente: Für die Beantwortung von erbrechtlichen Einzelfragen sowie die Erstellung von Standardtestamenten für einfache Sachverhalte ist die Steuer- und Wirtschaftskanzlei nicht der richtige Ansprechpartner.

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