Steuergestaltung für den Expatriate in Thailand

Der Mythos von der einfachen thailändischen Steuererklärung

In unregelmäßigen Abständen publizieren sorglose Laien Beiträge zur vermeintlichen Einfachheit des thailändischen Einkommensteuerrechts. Anders als in Deutschland sei die Systematik durchschaubar und beherrschbar. Die Kalkulation der Steuerschuld könne quasi auf einem Bierdeckel vorgenommen werden. Da die Steuerformulare auch in englischer Sprache verfügbar sind, könnten die steuerlichen Pflichten im Do-it-yourself-Verfahren wahrgenommen werden. Die Wirklichkeit könnte von derartigen Aussagen kaum weiter entfernt sein.

Belegt wird die These von der Einfachheit regelmäßig mit einem Rechenbeispiel mit einem Sachverhalt, der aus nur drei oder vier Zahlenangaben besteht und bei dem der Arbeitnehmer ein eher geringes Einkommen auf thailändischem Niveau erhält. Es ist dann keine Überraschung, dass die Steuerkalkulation keine Raketenwissenschaft ist. Auch in Deutschland wäre die Steuerberechnung in wenigen Minuten erledigt. Die Ausgangssituation mag für den einen oder anderen thailändischen Arbeitnehmer realistisch sein. Aber für einen Expat gilt dies in aller Regel nicht, und es zeigt nicht Erfahrungswissen sondern Naivität, ein derartiges Beispiel als Normalfall darzustellen.

Steuerliche Gestaltungselemente

Ein Ausländer hat typischerweise weitere Einkommensquellen, teilweise in Thailand, teilweise in seinem Heimatland, teilweise in Drittländern. Wird er vom Mutterhaus entsendet, wird er verschiedene Anstellungsverhältnisse aufrecht erhalten. In seinem thailändischen Vertrag befinden sich häufig Provisions- und Tantiemeklauseln. Er wird berufsmäßig einen Teil seiner Arbeitszeit ausserhalb Thailands verbringen und hat entsprechende Steueroptimierungsmöglichkeiten. Weitere interessante Gestaltungsmöglichkeiten ergeben sich im Jahr der Entsendung sowie der Rückkehr ins Heimatland. Und die Liste unserer Praxiserfahrungen ist hiermit noch lange nicht am Ende. Thailand ist ein Hocheinkommensteuerland.

Der Ausländer muss die Auswirkungen seiner thailändischen Steuersituation für seine heimische Steuerposition berücksichtigen. Dazu gehört auch die Nutzung der Doppelbesteuerungsabkommen. Weitere Wechselwirkungen ergeben sich hinsichtlich der ausländerrechtlichen Situation. Für einen Laien ist die Gesamtproblematik, die hier nur ansatzweise angerissen wird, unüberschaubar. Hinzu kommt die strafrechtliche Problematik, wenn auch nur kleine Beträge nicht deklariert werden. Und auch gegenüber seinem Konzernmutterhaus besteht die arbeitsrechtliche Verpflichtung, Steuerzahlungen im gesetzlichen Umfang zu leisten.

Die naive Empfehlung, englischsprachige Steuererklärungen selber auszufüllen und einzureichen, ist daher mehr als nur grob leichtsinnig. Ein Ausländer, der nur über ein geringes Einkommen und eine einfache Steuersituation verfügt, findet leicht englischsprachige Thai-Professionals, die die Steuererklärung für ganz kleines Geld erstellen und einreichen. Die Beruhigung, dies in professioneller Hand zu wissen, ist unbezahlbar. Wenn es um große Einkommen und grenzüberschreitende Strukturen geht, besteht typischerweise ein erhebliches Steuerminimierungspotential. Da muss der Expat dann selber entscheiden, bei wem er vor Ort in Thailand professionelle Unterstützung einholen will. Wer in Thailand – oder schlimmer aus dem Ausland heraus – durch sorglose Simplifizierungen und naive Einschätzungen des thailändischen Steuerrechts seine Unkenntnis offenbart, disqualifiziert sich jedenfalls auch in anderen Bereichen als Berater.

Die steuereffiziente Verknüpfung von thailändischen Einkommensteuerpflichten mit dem Steuerrecht des Heimatlandes

Die Unkenntnis der Steuergesetze befreit nicht von der Pflicht Steuern zu zahlen – die Kenntnis aber häufig, wusste der Bankier Rothschild schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Dies gilt heute nicht nur für Großbanken, sondern auch für jede Einzelperson, die als Expatriate im Ausland mit unterschiedlichen Steuersystemen zu leben und zu leiden hat. In Thailand ist die steuerliche Ausgestaltung der Expatriate-Vereinbarung zudem mit arbeits- und ausländerrechtlichen Fragestellungen eng verknüpft. Dies wird näher erläutert unter

https://www.anwalt.de/rechtstipps/thailaendisches-steuerrecht-vertragsoptimierung-fuer-den-expatriate-in-thailand_060165.html

Der Beitrag stellt die typischen Bausteine einer sinnvollen Einkommensteuerplanung für von Deutschland nach Thailand entsandte Expatriates dar:

  1. Verlust der unbeschränkten Steuerpflicht
  2. Zahlungswege
  3. Sozialversicherung
  4. Entsendungsmodell
  5. Lizenzzahlungen und Dividenden
  6. Zahlungszeitpunkt
  7. Aufspaltung des Anstellungsverhältnisses
  8. Fringe Benefits
  9. Bruttolohnvereinbarung
  10. Abfindungszahlung

Als Resümee ist festzuhalten, dass die Besteuerung der Expatriates in Thailand interessante Gestaltungsmöglichkeiten bietet, wenn die thailändischen Besonderheiten berücksichtigt werden.

Weitere Aspekte betreffen nachwirkende Steuerpflichten trotz des Wegzugs aus Deutschland, Zweifelsfragen zum Umfang der deutschen und thailändischen Steuerpflichten, die Geltendmachung des Aufwands in Thailand in der deutschen Steuererklärung und sonstige Fragen der Steuerplanung und Steuergestaltung für den Expat in Thailand.

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