Gesellschaftsgründung in Thailand

Die ausländische Direktinvestition bedarf der Errichtung einer thailändischen Co., Ltd.

Die Geschäftstätigkeit eines Ausländers in Thailand ist typischerweise mit der Gründung einer eigenen Gesellschaft verbunden. Hierfür kommt letztlich nur eine thailändische GmbH, die “Company, Limited” (Co., Ltd.) in Frage. Diese Gesellschaftsform wird von fast allen ausländischen Investoren verwendet, für kleine, mittlere und große Projekte. Das thailändische Gesellschaftsrecht verlangt mindestens drei Gesellschafter und einen oder mehrere Direktoren. Erforderlich sind zudem ein Geschäftssitz in Thailand, eine monatliche Buchführung und ein jährlich testierter Jahresabschluss.

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Aufgrund des thailändischen Ausländerrechts ist es regelmäßig erforderlich, eine thailändische Person in den Gesellschafterkreis aufzunehmen, mit einer Beteiligungsquote von 51%. Weitere Auswirkungen auf die Gesellschaftsstruktur ergeben sich aus dem Erfordernis, dass dem Ausländer eine Arbeit für “seine” Gesellschaft erlaubt sein muss. Für eine Arbeitserlaubnis werden u.a. ein registriertes und vollständig eingezahltes Eigenkapital von THB 2 Millionen erforderlich. Bei einer Heirat mit einer Thailänderin halbiert sich dieser Betrag auf THB 1 Millionen. Pro Arbeitserlaubnis sind zudem vier thailändische Mitarbeiter sozialversicherungspflichtig zu beschäftigen. Es gibt hier bewährte Praktikerlösungen, so dass die Hürden nicht so hoch sind, wie sie anfänglich erscheinen.

Die Gründung kann für Unternehmen in ganz Thailand zentral von Bangkok aus durchgeführt und beim Handelsministerium (Department of Business Development) registriert werden. Die Ausgestaltung der Gesellschaftsstruktur ist in Thailand allerdings nicht einheitlich. Daher ist es auch nicht üblich, bestehende Firmenmäntel aufzukaufen. Der wichtigste Punkt der Gründung und Ausgestaltung wird nachfolgend dargestellt.

Gesellschaftsgründung nach den gesetzlichen Standardregelungen

Die Gründung kann gemäß den Regelungen des thailändischen Civil & Commercial Codes ohne Sonderregelungen erfolgen. Dies entspricht dem typischen Dienstleistungsangebot von Gründungsagenturen. Der thailändische Mitgesellschafter erhält dann 51% der Rechte an der Gesellschaft. Dies wird ihm gegenüber damit begründet, dass seine Mehrheitsbeteiligung nach thailändischem Recht zwingend erforderlich sei und von ihm verlangt werde, sich auf Dauer rechtswidrig zu verhalten, nämlich seine Rechte nur auf Anweisung des Ausländers auszuüben oder aber ruhen zu lassen.

Gleichzeitig werden Schutzmassnahmen getroffen, um die thailändische Seite an der Ausübung ihrer legitimen Rechte zu hindern, beispielsweise durch Blanko-Anteilsübertragungsurkunden, durch Vorenthaltung von gesetzlich zustehenden Informationen und Beteiligungsrechten sowie durch Nichtauszahlung der gesellschaftsrechtlich zustehenden Gewinnansprüche. Diese Vorgehensweise wird von der thailändischen Gesetzgebung als illegale und strafbare Nominee-Struktur angesehen, aber in der Praxis nur gelegentlich geahndet.

Gesellschaftsgründung

Es gilt aber auch, dass die Durchsetzung gesetzlicher Ansprüche in Thailand nicht als unmoralisch angesehen wird. Der Autoritätsdruck des reichen Ausländers verblasst mit der Zeit. Thailänder und Thailänderinnen sind daher früher oder später dazu bereit, die gesetzlichen Schutzrechte, die ihnen gegenüber Ausländern zustehen, auch tatsächlich in Anspruch zu nehmen. Der ausländische Minderheitsgesellschafter wird dann sprichwörtlich oder auch tatsächlich vor die Tür gesetzt.

Die meisten Fälle, bei denen Ausländer ihre Investition an die thailändische Seite verlieren, sind daher nicht Gestaltungen, bei denen zweifelhafte Personen in krimineller Weise vorgegangen sind, sondern bei denen Ehefrauen und sonstige Vertrauenspersonen nur “ihr gutes Recht” geltend gemacht haben und vor jedem thailändischen Gericht in dieser Vorgehensweise bestätigt worden wären.

Gesellschaftsvertragliche Ausgestaltung zur Reduzierung der thailändischen Rechtsposition

Neben der billigen und illegalen Nomineegestaltung gibt es allerdings auch einen rechtssicheren Weg, in Übereinstimmung mit der thailändischen Ausländergesetzgebung ein Unternehmen zu errichten und auf Dauer zu dominieren. Hierbei wird von der gesetzlichen Form abgewichen und eine eigene gesellschaftsvertragliche Regelung erstellt, vereinbart und beim Gesellschaftsregister eingetragen.

Das Erfordernis, dem thailändischen Gesellschafter die Gesellschaftsmehrheit einzuräumen, ist gesetzlich begrenzt auf die prozentuale Beteiligung, so wie sie in den Gesellschafterlisten offiziell bei den Behörden angemeldet werden. In der Ausgestaltung der einzelnen Rechtspositionen (Stimmrechte, Gewinnrecht, Direktorenrecht, Veto- und Minderheitenrechte, etc.) besteht eine gesetzliche Flexibilität. Diese Flexibilität kann durch vertragliche und sonstige Massnahmen rechtssicher ausgenutzt werden, um dem thailändischen Mehrheitsgesellschafter von vornherein nur punktuell die Rechtsstellung zu geben, die er aufgrund der thailändischen Ausländergesetze zwingend benötigt. Hierin liegt die Expertise einer individuellen Beratung und Vertragsgestaltung. Und hierin liegt auch der Grund für höhere Gründungskosten, die vielleicht sinnvollste Investition, die der Ausländer in Thailand machen kann.

Die Ausgestaltung einer derartigen komplexen Gesellschaftsstruktur bedarf keiner Schutzmechanismen, die davor schützen, dass der thailändische Mitgesellschafter seine legitimen Rechte geltend macht. Der thailändische Mitgesellschafter erhält von vornherein keine Rechte, auf deren Durchsetzung er verdeckt verzichten soll. Daher ist diese Strukturierung auch nicht dem Vorwurf ausgesetzt, es handele sich um eine verbotene Nominee-Struktur.

Die hierbei zusätzlich errichtete Sicherheitsstruktur gibt dem ausländischen Investor Schutz, nicht vor einem rechtmäßigen, sondern einem rechtswidrigen Handeln seines thailändischen Geschäftspartners. Dies ist bezüglicher verschiedener Aspekte erforderlich, bei denen das thailändische Gesellschaftsrecht Lücken aufweist. Ein umfassendes Corporate Government System gewährt eine rechtliche und faktische Schutzposition, die auch gegenüber Banken und Investoren vorzeigbar ist.

Die Kanzlei unterstützt bei der Auswahl der sachgerechten Struktur und implementiert die gewünschten Schutzmassnahmen

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