Konzernzentrale und Handelszentrum: Steuerbefreiung und BOI Förderung

Holdingstandort Thailand

Thailand hat den Anspruch, mit dem für seine Stabilität, Liberalität und niedrigen Steuersatz bekannten Singapur zu konkurrieren. Dies betrifft beispielsweise die Standortwahl für die Konzernzentrale sowie den Sitz des Handelszentrums des Konzerns. Obwohl diese Entscheidung von vielen Standortfaktoren abhängig ist, ist die thailändische Gesetzgebung fokussiert auf Steuervergünstigungen und eine BOI Förderung. Diese Rahmenbedingungen werden nachfolgend skizziert.

Im Jahre 2015 hatte Thailand die dritte Fassung der Gesetzgebung zum regionalen oder auch internationalen Hauptquartier und zur Handelszentrale in Thailand veröffentlicht und rückwirkend zum Jahresbeginn 2015 in Kraft gesetzt. Zwischenzeitlich ist zur Mangelbeseitigung verschiedentlich nachgebessert wurden, insbesondere durch königliche Verfügungen.

Der Grundgedanke der Konzeption liegt darin, dass Konzerninnenumsätze, also Warenlieferungen und Dienstleistungen zwischen Konzernunternehmen, nicht oder geringer besteuert werden sollen. Es ist insoweit ein gewisser Ersatz für die in Thailand nicht geltenden steuerlichen Organschaftsregelungen.

 

Die steuerlich geförderten Konzerntätigkeiten

Die Regelung bietet Steuervorteile für typische Tätigkeiten einer internationalen Firmenzentrale für die eigenen internationalen Gesellschaften. Umsätze mit Dritten sind dagegen nicht begünstigt, weder innerhalb Thailands noch grenzüberschreitend. Steuerlich bevorteilt werden also nur einige wenige Umsätze, die aus der Gesamttätigkeit herausgefiltert werden müssen. Es geht hierbei um zehn Aktivitäten:

  1. Güterbeschaffung
  2. Forschung und Entwicklung
  3. Technische Unterstützung
  4. Marketing und Verkaufsunterstützung
  5. Schatzmeisterfunktion und zentrale Vermögensverwaltung
  6. Verwaltung und management der Geschäftsplanung der Unternehmensgruppe
  7. Personalbeschaffung und Ausbildung der Mitarbeiter
  8. Zentrale Beratungsleistungen im Konzern
  9. Untersuchung der Wirtschaftslage und Investitionsmöglichkeiten
  10. Zentrale Kreditbeschaffung und Verwaltung

Diese Geschäftstätigkeiten der Firmenzentrale für Konzernunternehmen sind buchhalterisch herauszutrennen und werden steuerlich besser gestellt. Soweit eine eindeutige Zuordnung nicht möglich ist, muss eine quotenweise Aufschlüsselung erfolgen. Dies gilt beispielsweise für die Tätigkeit der Geschäftsführung sowie der Kantine.

 

Art und Umfang der gewährten Steuervorteile

Die steuerliche Anerkennung als Konzernzentrale (“International Headquarters”) ist in vierfacher Hinsicht steuerlich vorteilhaft:

  1. Körperschaftsteuer: Steuerbefreiung für Dienstleistungen an ausländische Konzerngesellschaften, ein halbierter Steuersatz auf Einkommen von thailändischen Konzerngesellschaften oder thailändischen Niederlassungen, Steuerbefreiung auf Nettogewinne aus Einkauf und Verkauf ausserhalb Thailands
  2. Einkommensteuer: Steuersatz von 15% für Expatriates in der thailändischen Konzernzentrale, die als Spezialisten gelten sowie ab einer gewissen Hierarchiestufe. Ob dieser Steuervorteil allein beim Arbeitnehmer verbleibt oder kompensiert wird, ist Verhandlungssache.
  3. Specific Business Tax (SBT): Steuerbefreiung auf Darlehen und gewisse Finanzdienstleistungen im Konzern.
  4. Quellensteuern: Steuerbefreiung für bestimmte Darlehen

Hierbei sind differenzierte Sonderregelungen zu berücksichtigen. Umsatzsteuerlich gelten die allgemeinen Regeln ohne Vorzugsbehandlung.

 

Vergleichbare Regelungen für internationale Handelszentren

Die Steuervergünstigungen für “International Trading Centers (ITC) sind vergleichbar mit denen des International Headquarters (IHQ). Geförderte Aktivitäten innerhalb des Konzerns sind insoweit

  1. Güterbeschaffung
  2. Warenlager und Inventarverwaltung
  3. Verpackungstätigkeiten
  4. Dienstleistungen bei der Güteranlieferung
  5. Güterversicherungen
  6. Handelsberatung, technische Beratung und Training
  7. Weitere Tätigkeiten, soweit hierzu eine steuerliche Bekanntmachung erfolgt.

Die thailändische Förderagentur BOI fördert sowohl die Tätigkeit der Konzernzentrale (IHQ) als auch der Handelszentrale (ITC) mit dem vollen Paket der Fördermassnahmen.

Sachgerechte Vorgehensweise

IHQ und ITC sind Bausteine einer grenzübergreifenden Steuerplanung. Die Kanzlei verfügt über langjährige Steuerberater-Erfahrung – auch aus der Beratung von DAX-Unternehmen – bei

  • der (Schatten-) Kalkulation der effektiven Steuervorteile aufgrund der konkreten Gruppen- und Geschäftsstruktur,
  • der Optimierung der Steuereffekte durch eine Anpassung der steuerlichen Wertschöpfungskette im Konzern,
  • der Kombination aus Registrierung bei den Finanzbehörden und Antragstellung beim BOI Board of Investment.

Weitere Informationen sind auf der deutschen und der englischen Webseite jeweils mit der Suchfunktion unter den Stichworten IHQ und BOI zu finden.


Literaturhinweis: Eder in Gesellschaftsrecht des Auslands: Thailand, Abschnitt B.I.23 Besonderheiten, Rdnr. 126.
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