Thainess und die Ähnlichkeitsfalle

Thailänder lieben Statussymbole. Der Iced-Cappuccino von Starbucks, das goldene iPhone und der silberne BMW geben dem Nachbarn, dem Freundeskreis und dem Konkurrenten ein überdeutliches Zeichen von Prestige, Erfolg und Wohlstand. Die Begeisterung für Nobelmarken steht dabei im erstaunlichen Widerspruch zum Umstand, dass thailändische Unternehmen sich kaum darum bemühen, eine eigene Marke zu entwickeln, zu pflegen und international zu vermarkten. Red Bull ist hierbei die Ausnahme, die die Regel bestätigt.

Ein thailändischer Geschäftsmann, Anwalt oder Mediziner unterscheidet sich im Aussehen und Auftreten nicht grundsätzlich von seinem deutschen Gegenpart. Beide sprechen schlechtes Englisch – mit graduellen Unterschieden. Die Globalisierung scheint zum großen internationalen Gleichmacher geworden zu sein. Milieuaffinität besteht auf kontinentüberschreitender Ebene.

Gleichheit erleichtert die Einschätzung, warum sich Thailänder so verhalten und wie die zukünftige Entwicklung sein wird. Wenn die Rolex am Arm zeigt, wie der Thailänder tickt und der Mercedes-Schlüssel in der Tasche sagt, wohin die Reise gehen soll, dann wird das Gegenüber weniger fremd und exotisch und stattdessen berechenbar und vielleicht sogar kontrollierbar.

Diese Gleichheit ist in Wirklichkeit jedoch niemals tatsächlich gegeben. Die Angleichung der äußeren Verpackung lässt keinesfalls auf den gleichen Inhalt schließen. Wer glaubt, Thainess begriffen zu haben, betrügt sich selber. Er tappt in die Ähnlichkeitsfalle.

Ähnliches Verhalten wirkt sympathisch und vertraut, beweist aber keinesfalls ein ähnliches Denken und Handeln. Das thailändische Lächeln ist eben kein Zeichen von Freundlichkeit – und dies ist nur das bekannteste Beispiel. Ähnlichkeit ist ein weit unterschätzter und gefährlicher Verführer.

Geschäftsleute tun daher gut daran, niemals darauf zu vertrauen, dass sie auf der sprichwörtlich gleichen Wellenlänge liegen wie ihr asiatischer Verhandlungspartner. Der Verlockung der Ähnlichkeit, die nur scheinbar alles leichter macht, ist standhaft zu widerstehen. “Same same but different“ ist daher keine leere Phrase sondern eine weise Erkenntnis, die als Warnung verstanden werden sollte.

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