Der Erwerb der zweiten Staatsbürgerschaft

Reisen ohne Reisepass

Vor Beginn des ersten Weltkriegs waren internationale Reisen ohne Reisepass möglich. Die Entwicklung zeigt, dass heutzutage auch der Besitz eines einzigen Reisepasses nicht mehr jedem ausreicht, um ungestört sein Reiseziel zu wählen. Daher bietet es sich an, über den Erwerb eines zweiten Reisepasses nachzudenken, um sich eine größere persönliche und wirtschaftliche Freiheit zu verschaffen. Die zweite Staatsbürgerschaft ist zum Teil der privaten Steuer- und Vermögensplanung geworden.

Traditionelle Wege zum nachträglichen Erwerb einer zweiten Staatsbürgerschaft sind Heirat, Kinder, Adoption sowie Einwanderung mit nachfolgender langjähriger Ansässigkeit. Dies ist nicht für Jedermann eine verlockende Handlungsoption. Verschiedene Staaten ermöglichen daher im Rahmen eines “economic citizenship program” den Erhalt einer zweiten Staatsbürgerschaft (“citizenship”) oder als Vorstufe einer unbegrenzten Aufenthaltserlaubnis (“permanent residency”) auf der Grundlage einer größeren Investition. Hierzu zählen Dominica, St. Kitts, Antigua, Malta, Kroatien, Jamaica, Zypern und andere Offshore Standorte.

Diese Staaten erwarten nicht, dass das “citizenship by investment” Programm zur Einwanderung genutzt wird und verlangen auch nur eine zeitlich begrenzte Anwesenheit. Die Daueraufenthaltserlaubnis ist dabei häufig nur die Vorstufe zum Erwerb der Staatsbürgerschaft und der zweite Reisepass wird im Wesentlichen fernab der zweiten Heimat genutzt.

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Vor- und Nachteile einer zweiten Staatsbürgerschaft

Im Regelfall ist eine Staatsbürgerschaft ausreichend. Vorteile einer zweiten Nationalität sind

  • erweiterte Reisemöglichkeiten und Visabefreiung in einer Vielzahl von Ländern
  • mehrfache Nutzung der maximalen Aufenthaltsdauer in vielen Ländern
  • Umgehung eines “black listings” im Aufenthaltsland
  • die Nutzung von nationalen Privilegien, wie dem Recht zum Grundstückserwerb oder zur Geschäftstätigkeit
  • erleichterter Zugang zu Bankkonten
  • Nutzung als Fluchtland

Einige Vorteile einer derartigen zusätzlichen Option können sich erst zu einem späteren Zeitpunkt zeigen, beispielsweise wenn das Heimatland den ersten Reisepass wegen Steuerschulden einzieht. Bei der Entscheidung sind allerdings auch die möglichen Nachteile einzubeziehen, insbesondere

  • zusätzliche Steuerpflichten, beispielsweise im Bereich der Erbschaftsteuer
  • laufende Aufenthaltspflichten, um den Status nicht nachträglich zu verlieren
  • Die Rekrutierung für Militärdienste wird in den meisten Fällen ausscheiden oder ein rein hypothetisches Risiko darstellen.

Es ist die gegenwärtige internationale Praxis, dass die Gewährung einer zweiten Staatsbürgerschaft von den anderen Staaten anerkannt wird. Eine zweite Staatsbürgerschaft zweiter Klasse gibt es insoweit nicht. Ob die doppelte Staatsbürgerschaft vom alten Heimatland akzeptiert wird, wenn dies dort bekannt wird, ist eine andere Frage. Singapur ist ein oft beschriebenes Beispiel für das absolute Verbot einer doppelten Staatsbürgerschaft.

Daneben stellt sich die Frage, ob das Heimatland den späteren Erwerb des zweiten Reisepasses (also nicht durch Abstammung und Geburt) bei entsprechender Kenntniserlangung zum Anlass nimmt, den Erstpass bei der Verlängerung im Konsulat einzuziehen und die erste Staatsbürgerschaft aberkennt. Eine derartige doppelte Staatsbürgerschaft wird für Deutsche nur mit EU-Staaten und der Schweiz akzeptiert. Für andere Staaten bedarf es eines vorherigen Bei­be­hal­tungs­an­trags nach § 25 Abs. 2 Staats­an­ge­hö­rig­keits­ge­setz zum Erhalt einer Beibehaltungsbescheinigung.

Persönliche und sonstige Anforderungen

Für die Auswahl zwischen den aktuell offerierten Angeboten ist zunächst auf die persönliche Anforderungen abzustellen. Dies sind typischerweise

  • Nationalität
  • Alter
  • Einkommensverhältnisse
  • Ausbildungsstand
  • Führungszeugnis
  • Sprachkenntnisse
  • Gesundheitsprüfung

Zu den personenunabhängige Kriterien gehören

  • die Verfahrensdauer ab Antragstellung und die hiermit verbundenen Kosten,
  • Anwesenheitspflichten (Mindestaufenthaltsdauer bei Antragstellung und/oder danach) und sonstige Verpflichtungen,
  • Einbeziehung von Ehefrau, Kindern, Eltern und Erben,
  • Erneuerungs- bzw. Verlängerungserfordernisse,
  • Quotenregelung, Anerkennungsquote und Erfolgsaussichten,

Nicht ganz ausser acht lassen sollte man das Rücknahmerisiko und allgemein das Risiko von nachteiligen Rechtsänderungen. Eine ausländerfreundliche Haltung muss nicht von Dauer sein und die Anforderungen an den Fortbestand der zweiten Staatsbürgerschaft können unerwartet steigen – auch unter dem stetig wachsenden Druck der USA und der OECD.

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Die Gesamtkosten des zweiten Reisepasses

Ein zweiter Reisepass und eine Daueraufenthaltserlaubnis werden nicht verschenkt, sondern sind mit nicht unerheblichen finanziellen Anforderungen verknüpft. Dies kann eine einmalige wohltätige Spende als Quasi-Kaufpreis sein, ist aber häufiger eine genau definierte Investition.

Das vom Antragsteller zu erfüllende Investitionsprofil betrifft regelmäßig den Erwerb von Grundeigentum, selten von Staatsanleihen. Immobilien können das Erfordernis haben, neu oder fast neu errichtet zu sein. Der Zweiterwerb ist regelmäßig ausgeschlossen. Das Halten über eine eigene Immobilienholding kann verboten oder erlaubt sein – mit konkreten Anforderungen an den Gesellschafterkreis. Die Anzahl der Immobilienprojekte kann  beschränkt sein und weitere Anforderungen an Art und Größe können bestehen. Die Auswahl mag zudem auf speziell staatlich lizenzierte (d.h. überteuerte) Immobilienobjekte beschränkt sein.

Risiken und Gefahren

Wichtig ist, ob die Investition bereits vor Antragstellung erfolgt sein muss, mit dem Risiko, im Falle einer Ablehnung den Investitionszweck verfehlt zu haben. Unterschiedlich geregelt sind auch die Folgen der De-Investition nach erfolgtem Erwerb der Staatsbürgerschaft.

Ohne Erfahrung ist es schwer zu beurteilen, ob der “passport agent” den Reisepass auf regulärem Weg beantragt hat, oder durch eine Zuzahlung an einen Beamten auf dem ganz kurzen Dienstweg unter der Hand beschafft hat. Häufig gibt es eine höchst ertragreiche Zusammenarbeit zwischen dem Immobilienverkäufer, dem Agenten und dem Passbeamten. Die Bestandskraft einer so bewirkten Staatsbürgerschaft ist aus offensichtlichen Gründen gering, selbst wenn der Passinhaber gutgläubig war und Opfer dieser Machenschaften.

Ein gefälschter Pass verschafft selbstverständlich keine Staatsbürgerrechte. Der Reisepass aus Rhodesien oder anderen längst untergegangen Staaten ist ebenfalls kein guter Reisebegleiter. Der “Bank Pass” wiederum ist ein so unglaubwürdiges Dokument, dass es nur für die illegale Bankkontoeröffnung, nicht jedoch den Grenzübertritt hergestellt wurde.

Die schnelle, günstige und problemlose Beschaffung eines zweiten Reisepasses wird vielfach angeboten, ist aber legal nicht möglich. Wer dies dennoch anbietet, dem sollte man nicht trauen. Es handelt sich vielmehr um ein langfristiges Projekt, das genau analysiert und professionell vorbereitet sein muss, um zu gelingen. Dass gescheiterte Versuche regelmäßig nicht publik gemacht werden, hat offensichtliche Gründe.

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Die Kanzlei berät und unterstützt bei Fragen der zweiten Staatsbürgerschaft.

Der Erwerb des alternativen Reisepasses ist mit nicht unerheblichen finanziellen Aufwendungen verbunden. Die zwischengeschalteten Agenturen sind als Verkäufer tätig und regelmäßig keine unabhängigen Berater. Die Kanzlei PUGNATORIUS berät auf Erwerberseite zuverlässig, routiniert und fachkundig bezüglich der folgenden rechtlichen und sonstigen Aspekte in deutscher Sprache:

  • Auswahlkriterien bezüglich der unterschiedlichen Angebote
  • Verfahrensablauf und sachgerechte Vorgehensweise gegenüber dem Anbieter
  • Auswahlentscheidung zwischen Grundstücksinvestition und “Schenkung”
  • Anpassung der persönlichen Situation an das Anforderungsprofil des Anbieterstaates
  • Steuerplanungsmöglichkeiten mit alternativer oder zweiter Staatsangehörigkeit
  • Steuerliche Auswirkungen im Heimatland
  • Sachgerechte Vorgehensweise gegenüber dem bisherigen Heimatland

Der Erwerb eines zweiten Reisepasses ist ein zu kritisches Vorhaben, um sich nur ausländischen Agenturen anzuvertrauen. Insoweit bietet die Kanzlei aus dem nichteuropäischen Ausland eine fachkundige deutsche Rechts- und Steuerberatung an, die auf Erfahrung und Vertrauen beruht.

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